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Kurzbericht von einer Meteoriten-Suche in den Alpen

Anfang August 2002 machte ich mich mit Sammler Thomas Kurtz auf den Weg in das Streufeld des Neuschwanstein-Meteoriten. Wir hatten vor, uns 1-3 Wochen im Gebiet aufzuhalten und nach einem Stück jenes Meteoriten zu suchen, der dort am 6. April 2002 niederging. Im Gegensatz zu Thomas war ich das erste mal in dieser Gegend auf Meteoritensuche und musste auch recht schnell feststellen, dass es ein äusserst schwieriges Gelande für ein solches Unternehmen ist. Das Streufeld befindet sich mitten in einer schwer zugänglichen Bergregion an der deutsch/österreichischen Grenze zwischen Neuschwangau und dem Ammerwald auf österreichischer Seite. Und um eines gleich vorweg zu nehmen; einen neuen Meteoritenfund kann ich an dieser Stelle leider nicht vermelden.

Bild: Geierköpfe
Blick auf die "Geierköpfe" in Österreich

In den ersten Tagen suchten wir einige Wiesen in den höheren Lagen ab, auf denen am 6. April wahrscheinlich noch Schnee auf angefrorenem Boden gelegen hat. In den unteren Lagen hielt ich eine Suche für nicht sehr aussichtsreich, da sich die Bruchstücke beim Aufprall vermutlich in den weichen Waldboden gebohrt haben, wenn sie nicht an den zahlreichen Felsen in tausend Stücke zerbrochen sind. Fallversuche mit Steinen vor Ort legten diese Vermutung nahe. Trotzdem sind Funde auch in den unteren Lagen nicht auszuschliessen. In den darauffolgenden Tagen suchten wir an einigen Steilhängen an der Grenze zu Österreich, an denen eine halbwegs systematische Suche kaum möglich war und auch nicht sehr erfolgversprechend ist. Es ist auch ein gefährliches Unterfangen, an solch steilen Stellen zu suchen, ich kann nur dringend davon abraten. Ein Fehltritt kann dort lebensgefährlich sein. Es gibt im Gebiet der Streuellipse ansonsten leider sehr wenig Stellen, an denen man sytematisch suchen kann. Diese Stellen sind meist auch nur sehr schwer durch anstrengende Aufstiege ausserhalb der Wanderwege zu erreichen. Mit einiger Sicherheit liegen aber dort noch ein paar grössere Bruchstücke des Meteoriten. Man sollte sich aber nicht allzuviel Hoffnung machen, diese schnell auffinden zu können, denn dazu ist das Gebiet einfach zu unübersichtlich.

Bild: Steilhang
An diesem Hang könnte die Hauptmasse
des Neuschwanstein-Meteoriten liegen

Nach einigen Tagen im Suchgebiet schloss sich Erich Haiderer aus Wien noch unserer Suchaktion an. Leider verschlechterte sich aber das Wetter zusehens und ich beschloss, meine Suche vorerst abzubrechen und nach Berlin zurückzufahren. Am Tag meiner Abreise begannen auch die heftigen Regenfälle, die später zu den katastrophalen Überschwemmungen in Süddeutschland führten. Thomas wollte trotz des schlechten Wetters noch einige Zeit im Suchgebiet verbringen. Für seinen Durchhaltewillen zolle ich ihm Respekt. Als Fazit der ganzen Aktion kann ich für mich sagen, dass es trotzdem ein grossartiges Erlebnis war, in einem der wenigen Meteoritenstreufelder Deutschlands unterwegs gewesen zu sein. Und für entgangene Funde wird man allemal auch durch die herrliche Landschaft entschädigt.

Ein Augenzeuge des Meteoritenfalls
Für die Nächte hatten wir uns in 2km Entfernung des Schlosses Neuschwanstein in einer Berghütte eingemietet. Interessanterweise hatte der Hüttenwart Toni Stiebitz den Fall des Meteoriten in den Bergen beobachtet. Laut seinen Angaben hielt er sich am Abend des 6.April als einziger in der Hütte auf, als er gegen 22:20 von lauten Donnergeräuschen aufgeschreckt wurde und sich an die Tür der Hütte begab, die sich in Blickrichtung des heutigen Streufeldes befindet. Als er vor die Hütte trat, sah er wie die Berge ringsum taghell erleuchtet waren, desweiteren hörte er mindestens 5 laute Donnerschläge, lauter als bei den stärksten Gewittern. Möglicherweise ist der Hüttenwart der einzige Zeuge, der den Meteoritenfall aus solcher Nähe beobachtet hat, und man meinte, ihm den Schrecken über dieses kosmische Ereignis auch noch ein wenig anzumerken. Auch hatte er nur wenig Verständnis dafür, dass jetzt noch Leute ihre Zeit damit verschwenden, nach den steinigen Übeltätern zu suchen, die ihm seine abendliche Ruhe geraubt hatten.

Bild: Thomas Kurtz
Meteoriten-Jäger Thomas Kurtz

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SR-Meteorite 19.8.2002, webmaster@sr-meteorite.de